Für den (Assistenz)Hund

Hunde, die zu Assistenzhunden ausgebildet werden sollen, werden in der Regel sorgfältig von fachkundigen Menschen ausgesucht. Das ist keine Garantie, dass diese Hunde auch tatsächlich eine Assistenzhundeausbildung inklusive der Grundausbildung und schlussendlich die Prüfung erfolgreich meistern.

Es sind und bleiben Hunde! Hunde mit ihrem eigenen Charakter, Persönlichkeitsmerkmalen, Rassedisposition, Bedürfnissen. Hunde werden nicht als Assistenzhunde geboren.

Hunde möchten gesehen werden. Sie sind hoch soziale Lebewesen.

Die Welpenzeit ist anstrengend und gleichzeitig wunderschön. Bereits im Welpenalter bieten die Hunde so viel von sich aus an. Es entwickelt sich eine Beziehung, eine Bindung zu den Hundehaltern. Grundlagen können schon früh leicht gelegt werden.

Dann kommen die hormonellen Umstellungen und bis der Hund erwachsen ist machen die Menschen und deren Hunde einige Höhen und Tiefen durch. Das ist nichts Negatives. Ganz im Gegenteil das stärkt die Bindung zwischen Hund und Hundehalter.

Leider werden in dieser so wichtigen Zeit, teilweise schon früher die Hunde regelrecht an die Wand gefahren, ihnen wird von ihren eigenen Besitzern der Boden buchstäblich unter den Pfoten weggerissen.

Der Hund muss doch funktionieren!!! Der wurde speziell ausgesucht!

Schuldige werden gesucht: Der Hund, Züchter, Trainer, sogar Tierärzte.

Leider gibt es Menschen, die sich nicht selber hinterfragen. Die nicht überlegen woran es liegen könnte.

Gebe ich dem Hund genug Halt und Sicherheit? Setze ich konsequent Grenzen? Was hat mein Hund für Bedürfnisse? Hat er ausreichend Ruhe, Schlaf und freie Zeit zum rumschnüffeln, spielen, rennen? Wie ist die Bindung zu meinem Hund? Gebe ich ihm durch meine Körpersprache, Mimik, Gestik, Stimmlage Sicherheit und Halt, so dass man gemeinsam auch durch schwierige Situationen hin durchkommt?

Stattdessen kommt es auch im Assistenzhundebereich immer wieder vor, dass der Hund den Erwartungen seines Menschen gar nicht gerecht werden kann.

Der Hund wird nicht mehr als Teampartner gesehen. Dabei ist es genau das was den Assistenzhund ausmacht: Die gemeinsame Bindung, gemeinsam geht man durch Höhen und Tiefen und wächst daran! Das ist keine Aufgabe, die ein Fremder dem Menschen abnehmen kann!

Statt sich die oben genannten Fragen zu stellen, sich Wissen anzueignen, seinen eigenen Alltag etwas umzustellen, dem Hund Leichtigkeit und Spaß zu vermitteln werden jetzt andere Seiten aufgezogen. Sehr häufig eine Folge von fehlender Sozialisierung, Habituation, klarer Kommunikation und Grenzen zeigen, ein Bindungspartner zu sein im Welpenalter.

Der Hund wird mit Geschirr, Halsband, Retrieverleine und Halti, sowie Leinen (die sonst wo überall eingeklinkt werden) abgesichert. Schwer bewaffnet mit noch weiteren Hilfsmitteln geht es dann los.

Zuhause geht es ab in die Box oder hinter irgendwelche Gitter.

Wenn der Mensch keine Nerven mehr hat für den Hund oder einfach zu müde ist, wird der Hund in den Garten geschickt oder es werden Gassigänger engagiert, die mit dem behangenen Hund und zig Warnungen rausgeschickt werden.

Es wäre so einfach: Eine gründliche Basisausbildung, Festigung von Signalen, Generalisierung, konsequentes Handeln, Struktur und vor allem KOMMUNIKATION mit dem Hund und den Bedürfnissen des Hundes gerecht werden.

Foto von Alexandre Goebel. Bildbeschreibung: Ich führe June, die mit einer Kenndecke gekennzeichnet ist, körpersprachlich eine Treppe runter.

Wenn der Assistenzhund (Azubi) krank ist

Ich schreibe nicht nur als Assistenzhundetrainerin, sondern auch als Assistenzhundehalterin (deren Hündin vor vier Tagen eine Kreuzband-OP hatte).

Natürlich werden auch Assistenzhunde, so wie alle anderen Lebewesen, mal krank oder verletzen sich.

Darüber sollte man sich vorab Gedanken machen.

Wir sind ein Team mit unseren Assistenzhunden, es sind Freunde, Weggefährten und meistens auch unsere persönliche Lebensversicherung, die uns ein selbstständigeres Leben ermöglichen. Unsere Hunde sind für uns da.

Genauso sollten wir für unsere Hunde da sein! Immer! Im Krankheitsverfall benötigen sie jedoch eine viel intensivere Betreuung.

Was ist zu beachten, wenn der Assistenzhund (Azubi) krank oder verletzt ist?

  1. Den Assistenzhund (Azubi) SOFORT aus der Arbeit nehmen!

Das bedeutet KEINE Arbeit, weder mit Kenndecke noch ohne. Das sollte in der Ausbildung bereits dem Hund beigebracht werden. Abschalten, abgeben. Der Hund muss lernen zwischen Freizeit- und Arbeitsmodus zu unterscheiden und seinem Menschen so sehr vertrauen, dass er „abgibt“.

2. Erste Hilfe leisten

Egal was für eine Erkrankung man hat. Abgesehen von den grundlegenden Kenntnissen, die man in der Ersten Hilfe haben sollte, sowie Erste Hilfe-Materialien, muss man:

– schnell reagieren können,

– Hilfe holen können,

– den Hund halten, ggf. heben oder tragen können,

–  Materialien holen können,

– Blutungen stoppen können,

– ggf. den Hund in die stabile Seitenlage bringen können und

– reanimieren können.

3. Das Finanzielle

Eine Behandlung kann sehr teuer werden!

Die meisten Tierärzte möchten das Geld sofort bar oder per EC-/Kreditkarte. Damit der Hund nicht leidet und er auch in Zukunft arbeiten kann, darf häufig keine Zeit verschwendet werden, z.B. durch Aufschieben von Behandlungen, da kein Geld zur Verfügung steht.

Nicht nur die Akutbehandlung kostet viel Geld. Auch die Nachsorge, Medikamente, Ergänzungsfuttermittel usw.

Es gibt Versicherungen oder man sollte einiges an Geld zurücklegen (was bei einer OP unter Umständen nicht reicht). Viele Menschen, die von Sozialhilfe leben, haben die Problematik, dass das Geld nicht auf einem Konto „gelagert“ oder angespart werden kann.

4. Der Tierarzt

Für einige Verletzungen und Erkrankungen sollte es zum Spezialisten gehen.

Nicht alle Tierärzte kennen sich mit Assistenzhunden aus. Es ist wichtig, dem Tierarzt zu sagen, was der Hund im Alltag leistet.

Aufgrund dessen kann es sein, dass der Tierarzt schneller behandelt, eine andere Behandlungsmöglichkeit wählt usw. Außerdem ist es der Tierarzt, der einem bescheinigt, wann und ob der Hund wieder arbeiten kann.

5. Die Nachversorgung

Je nachdem was der Hund hat/hatte und ob er operiert worden ist, ist die Nachversorgung sehr komplex und zeitintensiv.

Der Hund wird dem Menschen bei einer OP nach dem Aufwachen übergeben. Dann ist der Hund u.U. immer noch nicht ganz da und die Medikamente müssen erst einmal verstoffwechselt werden.

Wenn eine Nachversorgung notwendig ist und das ist in den meisten Fällen notwendig, gehört dazu:

  • Regelmäßige Medikamentengabe.
  • Den Hund schonen, evtl. ruhig halten.
  • Verbandswechsel.
  • Physiotherapie.
  • Viele Behandlungen bringen die Verdauung durcheinander oder schlagen dem Hund auf den Magen, d.h. man muss häufiger, auch nachts, kurz runter.
  • Bei Erkrankungen des Bewegungsapparates kann es notwendig sein, den Hund durch eine Gehhilfe zu unterstützen, ihn teilweise zu tragen und zu heben.
  • Mehrfache Kontrollbesuche beim Tierarzt bei denen man ein Auto benötigt (wenn man kein eigenes hat oder nicht Auto fahren darf ein Taxi).
  • Der Hund kann nicht alleine gelassen werden, weil er unter Beobachtung stehen muss.

usw.

Die Nachversorgung kostet nicht nur noch mehr Geld, sondern auch viel Kraft, Nerven und Durchhaltevermögen. Der Alltag muss komplett umgestellt werden.

Durch den Stress, weniger Schlaf kann sich das negativ auf die eigene Symptomatik der Erkrankung, die man hat, auswirken.

Da der Hund nicht arbeiten darf, benötigt man spätestens jetzt menschliche Assistenz.

Ambulante Pflegekräfte und Assistenzhunde

Ich schreibe aus eigener Erfahrung, da ich selbst jahrelang in der ambulanten Pflege und Assistenz gearbeitet habe und die andere Seite als Hundetrainerin und Betroffene kenne.

Menschen mit Assistenzhund oder angehendem Assistenzhund die auf die Unterstützung ihres Hundes angewiesen sind, benötigen häufig auch einen Pflegedienst und/oder Assistenzkräfte.

Dabei kommt es nicht selten zu Schwierigkeiten aus verschiedenen Gründen seitens der Pflege-/Assistenzkräfte:

– Angst vor Hunden.

– Unkenntnis was Assistenzhunde leisten und wie die Ausbildung abläuft.

– Ein eigener Hund ist vorhanden und die Erfahrungen werden übertragen auf den Hund des Kunden.

– Bedenken bzgl. der Hygiene.

– Der Hund wird als störend empfunden, insbesondere wenn es in der Pflege oder bei medizinischen Notfällen schnell gehen soll und der Assistenzhund in Ausbildung noch Anweisungen benötigt.

Ein paar Hinweise für Pflege- und Assistenzkräfte:

– Jeder Assistenzhund hat bestimmte Aufgaben. Teilweise auch während menschliche Hilfe anwesend ist. So merkt ein Epilepsiewarnhund vor den Menschen einen Anfall, ein Diabeteswarnhund eine Unter- oder Überzuckerung. Ein Autismus-Assistenzhund und auch ein PTBS-Assistenzhund helfen in der Interaktion mit den Helfern, so dass Pflege oder eine Krisenintervention überhaupt möglich ist und das betrifft auch die vielen anderen Arten von Assistenzhunden.

Deshalb müssen sich diese Hunde genauso konzentrieren auf ihre Aufgaben, wie Sie sich auf Ihre Arbeit! Assistenzhunde in Ausbildung noch viel mehr, weil sie noch lernen und sich das Erlernte festigen muss.

Gehen Sie mal Situationen durch während der Arbeit: Sie haben nur wenig Zeit für Ihre Patienten, Ihre Route ist lang, es ist schwierig einen Parkplatz zu finden, Sie gehen nicht zu allen Patienten gleich gerne usw. Und dann werden Sie vor der Tür des nächsten Patienten vor der Tür von jemandem angesprochen „Ach, ich kenne Sie doch.“, „Hier können Sie nicht parken.“ oder „Bleiben Sie doch entspannt.“ Wie fühlen Sie sich dann? oder sogar während der Pflege angerufen.

– Ignorieren Sie den Hund beim Reinkommen! Begrüßen Sie Ihren Kunden/Patienten. Das bedeutet keinen Blickkontakt mit dem Hund aufzunehmen, nicht seinen Namen zu sagen, ihn nicht zu füttern, anzusprechen, zu streicheln usw.

Nur, wenn Ihr Kunde dem Hund dies durch ein Freigabesignal erlaubt, dürfen Sie den Hund kurz begrüßen.

– Besprechen Sie sich mit dem Kunden was es für Regeln gibt im Umgang mit dem Hund. So erfahren Sie, ab wann Sie den Hund weg schicken dürfen und wie er Sie als Pflegefachkraft oder Assistenz unterstützen kann.

– Wenn Sie Angst vor Hunden haben, dann sagen Sie das dem Kunden. Der Hund möchte nur seine Arbeit machen.

– Sie haben Bedenken wegen der Hygiene? Hier ein Aufklärungsvideo dazu: https://www.youtube.com/watch?v=D6atk_UO03c

Warum bellen Hunde, auch Assistenzhunde, wenn Sie kommen?

Dafür gibt es mehrere Gründe:

– Der Hund wurde von Welpe an immer wieder begrüßt und mit ihm interagiert. Plötzlich darf er es nicht mehr, denn jetzt ist er ja groß und soll sich auf seine Arbeit konzentrieren.

– Erwartungshaltung des Hundes: Der Hund weiß der Pflegedienst oder Assistenzkräfte kommen. Da können Emotionen wie Freude, aber auch Unsicherheit mit rein spielen. Wann kommen die Helfer? Wer kommt heute? Wie ist das Verhalten von der Person, die heute kommt? Frauchen oder Herrchen warten ungeduldig auf den Pflegedienst. Da können einige Unsicherheitsfaktoren für die Hunde mit reinspielen.

– Erschrecken: Der Pflegedienst, die Assistenzkraft klingelt vll. kurz, macht die Tür auf und steht in der Wohnung und die Action geht los: Laute Begrüßung, Hektik usw.

– Schlechte Erfahrungen, die der Hund gemacht hat: Wird ein Assistenzhund bei seiner Arbeit grundlos gestört und zum Beispiel vom Pflegedienst angebunden, ausgesperrt, angeschrien usw. –> Das kann die gesamte Arbeit des Assistenzhundes, zumindest in Zusammenarbeit mit Ihnen kaputt machen.

Pflegekräfte, Assistenzkräfte und Assistenzhunde können wundervoll Hand in Pfote miteinander arbeiten!

Sie als Pflegekräfte leisten großartige Arbeit, unter großem Stress und Zeitdruck!

Wenn Sie mit Assistenzhunden zu tun haben, Fragen haben, Schwierigkeiten auftauchen, dann bitte ich Sie dies zu thematisieren. Sehr gerne können Sie mich anschreiben parczany@assistenzhunde.team. Ich gebe Vorträge und Fortbildungen für Pflegedienste und Assistenzkräfte.

Trickdogging im Assistenzhundebereich?

Viele Assistenzleistungen sind Hundetricks: Ziehen, drücken, rückwärts gehen, zwischen den Beinen einparken, Handtoch und sehr vieles mehr.

Außerdem verbessern viele Hundetricks die Koordination, das Gleichgewichtssinn, das Körpergefühl des Hundes und die Hunde bauen Muskulatur auf und es sind Tricks für das Medical Training dabei.

Abgesehen davon geht es auch um unterschiedliche Lernkonzepte.

Zusätzlich kann Trickdogging, je nach Hund, ein schöner Ausgleich sein und für viel Spaß sorgen.

Auch, wenn ich selber dies in der Assistenzhundeausbildung in Einzelstunden vermittle, kann ich den Trickdogging Club von Corinna Lenz nur empfehlen: https://corinnalenz.de/trickdogging-club-2/

Ich bin selber in diesem Club und davon absolut überzeugt und mit meiner Hündin, June, bereits zwei Trickdogging-Zertifikate gemacht.

Die Gruppen auf Facebook von Corinna Lenz sind eine sehr gute Ergänzung zum live Hundetraining.

(Werbung unbezahlt).

Das Bronze-Zertifikat mit June:

Das Silber-Zertifikat mit June:

Online-Veranstaltung „Haustiere als Genesungshelfer“ am Montag, 25.04.2022 von 17:00-max.19:00 Uhr

Ich werde u.a. über den Unterschied zwischen Assistenzhunden, Therapiebegleithunden und Emotional Support Dogs sprechen.

https://sites.google.com/view/recoverycollege/rcs-angebot

Liebe Tierfreunde, liebe Interessierte,

Gabriela Grammel hatte im Kernteam des RCS die Idee, dass wir uns mit der Thematik „Haustiere und Genesung“ beschäftigen könnten. Gerne habe wir dies aufgegriffen und bieten dazu nun eine Online-Veranstaltung an. Wir benutzen dazu die Videokonferenz-Software Zoom.

Für viele Menschen sind ihre Haustiere unverzichtbare Freunde und teilweise Familienmitglieder geworden. Sie haben einen positiven Einfluss auf deren (psychische) Befindlichkeit. Derzeit sehen wir zum Beispiel, dass Menschen aus Kriegsgebieten Ihre Haustiere mit auf die Flucht nehmen, um sie vor Schaden zu bewahren und um weiterhin mit ihnen zusammen zu sein.

In der Veranstaltung wollen wir uns dazu austauschen und gemeinsam überlegen, welche Wirkung Haustiere auf die Genesung erkrankter Menschen haben – speziell auch bei Menschen mit psychischen Problemen.


Programm

Es sprechen:

  1. Pascal Witte (25 min)
    Tierpfleger beim Tierschutzverein Freiburg, tierschutzverein-freiburg.de
  2. Sabrina Parczany (25 min)
    Assistenzhundehalterin einer Epilepsiewarnhündin und Assistenzhundetrainerin mit einer eigenen Hundeschule, www.assistenzhunde.team.
  3. Gabriela Grammel zur Bedeutung ihrer Ratten (10 min)
  4. Petra Rist zur Bedeutung ihres Hundes (10 min)

Anschließend:

  1. Diskussion mit den Referent:innen

Hier ist der zugehörige Zugangslink zur Veranstaltung:

https://us02web.zoom.us/j/84969383517?pwd=Q2JRYkJING9iWjB0a29remZkMUN1dz09

Wir freuen uns sehr, wenn Sie teilnehmen!

Ihr Team des Recoverycollege Südbaden

Wie kann ich mit der aktuellen Situation in der Welt umgehen?

Bei vielen Menschen in Deutschland herrscht Angst. Eine politische Situation, die für einige Menschen eine komplett neue Situation ist, die zu dem Gefühl der Hilflosigkeit führt, Menschen, die Angst vor dem Unvorhersehbaren haben.

Menschen für die der Krieg in der Ukraine, die Bilder aus den Nachrichten, die Drohungen von Putin ein Trigger ist für selbst erlebte traumatische Ereignisse in denen sie hilflos waren.

Mich haben im Rahmen meiner Arbeit als Hundetrainerin im Assistenzhundebereich zahlreiche Nachrichten erreicht in denen um Hilfe gebeten wird, Beratungsgespräche, Suche nach Psychiatrien in die Menschen mit ihrem Assistenzhund aufgenommen werden können, Suche nach Hundepensionen während ihr Halter in eine Klinik geht usw.

Der Krieg in der Ukraine, einschließlich die weltpolitische Situation scheint wie ein Tropfen zu sein, der das Fass zum überlaufen bringt. Die eigenen gesundheitlichen Einschränkungen, Corona, ein Assistenzhunde-Gesetz mit fehlenden Rechtsverordnungen und jetzt dieser Krieg.

Deshalb möchte ich einige Hinweise geben wie man gut auf sich achten und was man tun kann.

Die jeweiligen Maßnahmen richten sich ganz nach der individuellen Situation und Persönlichkeit!

1. Realitätscheck im eigenen Umfeld:

Realitäts-Check

2. Nachrichten ausschalten, wenn diese einen in Angst, Panik versetzen, traurig machen und zu einem Gefühl der Hilflosigkeit führt und/oder zu Anspannungszuständen, Flashbacks, dissoziative Zustände.

3. Informationen selbst oder von Freunden, Familie, Vertrauten, Assistenten, Pflegekräften filtern bzw. filtern lassen und über die eigenen Gefühle sprechen.

4. Sich ablenken.

5. Skills anwenden:

6. Da helfen wo es möglich ist mit Spenden, Teilen von Hilfeaufrufen, Unterkunft anbieten usw.

7. Pragmatisch unterschiedliche Szenarien gedanklich durchspielen und sich ruhig vorbereiten:

https://www.bbk.bund.de/DE/Home/home_node.html/DE/Home/home_node.html

Hat jemand das Gefühl sich selber nicht mehr helfen zu können, alleine ist, akute Suizidgedanken hat:

– Den eigenen Arzt anrufen.

– Den eigenen Psychotherapeuten anrufen.

– Die Telefonseelsorge anrufen:

Anonyme Beratung (persönlich, am Telefon, im Chat oder per Mail) 24 Stunden am Tag, kostenlos aus ganz Deutschland

Tel.: 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222

www.telefonseelsorge.de

– Den ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen.

Über die Rufnummer 116 117 werden Sie an den jeweiligen Bereitschaftsdienst in Ihrer Region weitergeleitet.

Online www.116117.de/de/index.php

– Eine Klinik aufsuchen.

Wenn es keinen Notfallplan für den (angehenden) Assistenzhund geht:

– Den Trainer anrufen.

– Falls vorhanden Freunde, Familie, Bekannte um Hilfe bitten.

– Eine Hundepension kontaktieren.

Es gibt bisher nur wenige Akutkliniken, die Menschen mit Assistenzhund aufnehmen und wenn sie dies machen muss vorab einiges geklärt werden (Bescheinigung des Trainers, eventuell werden bestimmte Gesundheitsuntersuchungen des Hundes gefordert, Entwurmungspass usw.).

Das Wohlbefinden, der Trainingsstand des Hundes sollte in jedem Fall berücksichtigt werden bei der Entscheidung den Hund in eine Klinik mitzunehmen.

Wenn es nicht möglich ist positiv nach vorne zu schauen, dann Step by Step! Morgens aufstehen, essen, trinken usw.

Die Finanzierung der Ausbildung von Assistenzhunden

Seit Juli 2021 hat Deutschland ein Assistenzhunde – Gesetz.Die einzelnen Rechtsverordnungen dazu müssen noch ausgearbeitet werden.

Im Gesetz wird ausdrücklich betont, dass Blindenführhunde zu den Assistenzhunden gehören. Ein Unterschied ist jedoch, dass die Kosten der Ausbildung und des Unterhalts von Blindenführhunden nach Antragstellung in der Regel von der Krankenkasse übernommen werden.

Es gibt jedoch Assistenzhunde, die für andere Krankheitsbilder ausgebildet und eingesetzt werden. Auch für diese Assistenzhunde gibt es mehrere Möglichkeiten die Ausbildung zu finanzieren:

1. Spenden

2. Krankenkasse

3. Pflegekasse

4. Wiedereingliederungshilfe

5. Berufsgenossenschaft

6. Persönliches Budget

7. Opferentschädigung

8. Bundesfond sex* Mis*

Es ist sehr individuell welche Gelder wo beantragt werden können.

Von den Kassen wird unter anderem folgendes berücksichtigt:

Der mittelbare und unmittelbare Behindertenausgleich

1. Der mittelbare Behindertenausgleich

Damit ist gemeint, dass in diesem Fall der Assistenzhund die Folgen der Behinderung abmildert und nicht direkt ausgleicht.

2. Der unmittelbare Behindertenausgleich

Der Assistenzhund ersetzt stark eingeschränkte oder aufgehobene körperliche Funktionen.

Verhältnismäßigkeit und Wirtschaftlichkeit. Diese Aspekte kommen hinzu, wenn die Ausbildung eines Assistenzhundes bei der Krankenkasse oder anderen Ämtern beantragt wird.

Kosten einer Ausbildung

Je nach Ausbildungsart und notwendiger Unterstützung bei der Ausbildung und Nachbetreuung kostet eine Ausbildung zwischen 10.000 und 30.000 €. Bedacht werden muss noch die Erstausstattung, die verpflichtende und sehr umfangreiche tierärztliche Untersuchung um die Eignung des Hundes zu bestätigen und die Prüfungsgebühren. Kosten einer Tierkrankenversicherung, sowie des Unterhaltes werden nicht mit einberechnet.

Fazit: Es gibt unterschiedlichste Möglichkeiten die Ausbildung eines Assistenzhundes zu finanzieren. Dies ist jedoch abhängig vom Einzelfall und Bedarf einer genauen Analyse der Lebenssituation, des Krankheitsbildes, der finanziellen Situation, des Hilfsnetzwerkes des Betroffenen. Aus diesem Grund sind die meisten Betroffenen auf Spenden angewiesen. In einer individuellen Beratung können wir besprechen was es für Möglichkeiten gibt.

Freizeit und Auszeiten für Assistenzhunde

Assistenzhunde sind nicht mit Rollstühlen zu vergleichen!

Wochenende für Assistenzhunde? Das gibt es für unsere Assistenzhunde nicht so wie für uns.

Bereits vorab sollte sich jeder überlegen wie er seinem (angehenden) Assistenzhund Freizeit verschafft.

Was bedeutet Freizeit überhaupt für unsere Hunde?

Das ist von Hund zu Hund unterschiedlich. Es gibt auf jeden Fall mehrere Varianten:

  • Schlafen, ohne jegliche Störungen.
  • Spaziergänge und/oder Wanderungen. Nicht unbedingt im eigenen Viertel oder Stadt. Irgendwo im nirgendwo wo der Hund ganz Hund sein kann.
  • Spielen, z.B. ausgiebiges toben und raufen oder zergeln.
  • Mit einem anderen Menschen spazieren gehen.
  • Bei einem anderen Menschen ein paar Tage mit Übernachtung verbringen.
  • Schwimmen, joggen oder am Fahrrad laufen kann Stress abbauen (vorausgesetzt der Hund muss nicht gleichzeitig auf den Assistenzhundehalter aufpassen und Sicherheit geben).
  • Die Anwesenheit von menschlicher Assistenz kann den Hund entlasten, wenn er gelernt hat abzugeben und zu ruhen.

Wie viel Freizeit und Ruhe benötigt ein Assistenzhund?

Das hängt vom Typ Hund und seinem Arbeitspensum ab. Entscheidend ist auch wie der Hund mit Stress umgeht.

Schon der Familienhund benötigt zwischen 15 und 20 Stunden Schlaf.

Stressoren

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen äußeren und inneren Stressoren, sowie emotionalen Stressoren.

Außerdem gibt es positiven Stress und negativer Stress. Bei solide ausgebildeten Assistenzhunden gehört die Arbeit häufig zum positiven Stress. Voraussetzung ist, dass der Hund gelernt hat mit akutem Stress umzugehen und ausreichend Regenerationszeit bekommt.

Was können zusätzlich zu der Arbeit des Assistenzhundes weitere Stressoren sein? Das gilt für alle Hunde.

  • Zu viel und aufgedrängte Interaktion mit Artgenossen.
  • Zu wenig Interaktion mit Artgenossen.
  • Zu wenig Auslauf.
  • Zu viel körperliche Beanspruchung (Spaziergänge, Hundekurse usw.)
  • Mit dem Hund permanent sprechen, egal ob Signale, Namen, „das eigene Herz ausschütten“ usw.
  • Den Hund ignorieren oder sogar weg sperren ohne ersichtlichen Grund.
  • Aufgezwungenes Kuscheln, streicheln und/oder Kontaktliegen.
  • Hündisches Verhalten permanent unterdrücken (Lautäußerungen, schnüffeln usw.).
  • Streit, aggressives Miteinander in der Familie/Partnerschaft usw.
  • Keine oder zu wenig Orientierung, Sicherheit und Führung seitens des Menschen.
  • Unfaire Behandlung des Hundes.
  • Unberechenbarkeit des Menschen.
  • Schmerzen,
  • Hunger, Durst,
  • Schlafmangel.

und einiges mehr.

Hunde können psychisch und physisch überfordert werden, was zu der Ausschüttung von bestimmten Stresshormonen führt. Aus diesem Grund benötigt der Hund eine Regenerationszeit und welche Art von Regeneration hängt von der Art der Belastung ab.

Freizeit ist also nicht unbedingt gleichzustellen mit Regeneration.

Was passiert, wenn der Hund nicht ausreichend Auszeiten bekommt?

  • Es entsteht Frust und es kann zu verhaltensauffälligem Verhalten kommen.
  • Die Arbeitsleistung lässt nach.
  • Der Hund kann vermehrt krank werden.
  • Der Hund altert schneller und verstirbt früher.

Es ist also eine lebenslange Gratwanderung zwischen Training, Arbeit, Freizeit!

Vorgespräche und Beratung

Die Arbeit im Assistenzhundebereich ist sehr umfassend und anspruchsvoll.

Das wird von vielen Assistenzhundehaltern und Interessenten unterschätzt. Ein Erstgespräch, schnell Möglichkeiten finden für die Finanzierung, schnell einen Hund finden … das biete ich nicht an.

Bevor es überhaupt um die Suche eines geeigneten Hundes geht, stehen umfangreiche Vorbereitungen an. Alles wird dokumentiert und später dann auch evaluiert.

Folgende Fragen und noch mehr stelle ich in der Beratung und den Vorgesprächen und ich erkläre in diesem Post was das mit einem Assistenzhund zu tun hat.

– Welche Diagnosen liegen seit wann vor?

– In welchem Ausmaß beeinflussen welche Symptome den Alltag?

– Was für Medikamente werden eingenommen?

– Was für ärztliche und anderweitige Behandlungen werden in Anspruch genommen?

– Gibt es einen Pflegegrad?

– Liegt ein Schwerbehindertenausweis vor?

– Welche finanzielle Mittel werden von welchen Ämtern für was für Leistungen in der Pflege und Assistenz in Anspruch genommen?

– Wie sieht die familiäre Struktur und Unterstützung aus?

– Aus was für Menschen und/oder Institutionen besteht das Hilfsnetzwerk?

– Wie ist die Tagesstruktur?

– Das Thema Arbeit wird angesprochen.

– Genauso reden wir über Zukunftspläne bzgl. Familie und Arbeit und Hobbys.

Das sind alles sehr intime Themen und es braucht viel Vertrauensvorschuss um diese ehrlich zu beantworten.

Für mich sind die Antworten sehr wichtig. Warum?

Um festzustellen:

– ob ein Assistenzhund unterstützen kann,

– welche Form der Ausbildung realistisch ist,

– was für ein Hundetyp passen könnte,

– ob der Betroffene noch weitere Möglichkeiten hat Unterstützung zu bekommen, sowohl von Menschen, als auch finanzielle Unterstützung für den Assistenzhund,

– ob gewährleistet kann, dass der Hund artgerecht und tierschutzkonform gehalten werden kann und

– ob das Verhältnis zwischen Freizeit, wirklichen Auszeiten, Training und Arbeit des Hundes stimmig ist.

Mehrfacherkrankungen müssen berücksichtigt werden. Medikamente können die Konzentration und das Reaktionsvermögen des betroffenen Menschen stark beeinflussen.

Einigen rate ich zur Vorbereitung zu therapeutischen Maßnahmen, wie zur tiergestützten Therapie oder sich mit Skills zu beschäftigen. Bei anderen muss erst einmal ein ganzes Hilfsnetzwerk aufgebaut werden. Manche wissen um ihre Rechte bzgl. Pflege nicht. Es gibt betroffene Menschen, die so begeistert sind von der Idee eines Assistenzhundes und deren Fähigkeiten, dass sie die vielen Unsicherheiten im Alltag nicht merken, die wir im Coaching dann bearbeiten können.

Es ist unerlässlich das Hilfsnetzwerk mit einzubeziehen was aber auch Mehrarbeit bedeutet. Ich möchte nicht, dass Kunden später in Bredouille kommen, weil sie sich die Ausbildung nicht mehr leisten können oder der Krankheitsverlauf anders verläuft und sie dann mit einem Welpen alleine Zuhause sitzen. Deshalb mache ich mir die Mühe und drösele alles auf, evaluiere es, wäge ab, gehe mit Kunden verschiedene Lösungsmöglichkeiten durch, weise sie aber auch auf mögliche Schwierigkeiten hin.

Das ist unglaublich viel Arbeit und hat erst einmal nur indirekt etwas mit dem Hund zu tun. Es ist viel Papierkram, Telefonate, Recherchen, Gespräche, Konzepte entwickeln. Ich hoffe, dass dieser Aufwand Standard wird und dass Interessenten für einen Assistenzhund sich selbstständig sehr gut hinterfragen und reflektieren. Noch viel zu häufig kommt es zu verzweifelten Notrufen, wenn dann der angehende Assistenzhund da ist oder wenn es, auch nach der Prüfung, nicht mehr läuft.

Was ist eine Behinderung?

„Ich brauche Spenden für einen Assistenzhund. Bitte helfen Sie mir!“

oder

„Ich habe einen Welpen/Hund und suche einen Trainer für die Assistenzhundeausbildung.“

Diese zwei Sätze liest man sehr häufig in jeglichen Medien oder bekommt man in der Beratung gesagt.

Dabei werden meistens mehrere Schritte auf dem Weg zum Hund übersprungen. Die folgenden Erklärungen sind wichtig, um festzustellen ob ein Assistenzhund notwendig ist und eventuell sogar finanziert wird.

Im Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (BGG) ist die Rede von Menschen mit Behinderung und Assistenzhunden (Mensch-Assistenzhund-Gemeinschaft).

Was ist eine Behinderung? Ab wann gilt ein Mensch als Mensch mit Behinderung?

Die Diagnose ist dafür nicht entscheidend! Genauso wenig das gefühlte Leid des Menschen.

Nach § 2 Abs. 1 SGB IX gilt ein Mensch als behindert, „wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn eine derartige Beeinträchtigung zu erwarten ist.“

Dabei wird noch zwischen drei Gruppen unterschieden:

– Menschen, die eine Behinderung haben (unter einem GdB von 30) oder von einer Behinderung bedroht sind.

– Menschen bei denen eine Schwerbehinderung durch ärztliche Gutachten nach § 2 Abs. 2 SGB IX: Grad der Behinderung von mehr als 50, festgestellt worden ist.

– Menschen mit einer Behinderung mit einem GdB von mindestens 30, aber weniger als 50. Diese sind Menschen mit einer Schwerbehinderung gleichgestellt.

Zu Bedenken ist noch, dass die Behinderung je nach Einschränkungen neu überprüft werden kann und meistens auch wird. So kann auch eine chronische Erkrankung als Behinderung eingestuft werden. Auch wenn chronische Erkrankungen teilweise heilbar sind. In diesem Fall verliert der Betroffene dann die Einstufung als Mensch mit Behinderung.

Wichtig ist inwieweit die Behinderung die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, das Alltagsleben, die eigene selbstständige Versorgung beeinträchtigt.

Das Lebensalter ist ebenfalls ein wichtiger Faktor bei der Ermittlung, ob eine Behinderung vorliegt und in welchem Ausmaß. Abgesehen von Menschen mit angeborenen Behinderungen, sind bei vielen jungen Menschen noch nicht alle therapeutischen und medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft worden. Das sind Gründe dafür weshalb ein Einstufung der Behinderung u.U. abgelehnt wird oder der GdB sehr niedrig ist, eine Pflegestufe abgelehnt wird, von einem Assistenzhund abgeraten wird usw.

Beispiele:

– Eine Epilepsie kann so gut behandelt werden, dass der Betroffene zwar lebenslang Medikamente nehmen muss. Aber anfallsfrei ist.

– Auch eine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung ist durch unterschiedlichste Therapien heilbar (Diagnose, Differentialdiagnosen, Symptome, Geschichte, Therapien, Heilungschancen usw.: https://de-academic.com/dic.nsf/dewiki/1125639)

– Diabetes Typ 2 ist vollständig heilbar durch eine Umstellung der Ernährung und des Alltags, ganz ohne Medikamente.

Meine Empfehlung ist vorab sich als betroffener Mensch sich gut über sein Krankheitsbild zu informieren, sich selbst zu reflektieren, alle Möglichkeiten an Therapien und ärztlicher Behandlungen vorab auszuschöpfen und sich über die eigenen Rechte zu informieren.